Selbstverwirklichung durch Autoaufkleber?
- April 16th April 2010
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Jeder kennt sie, viele fürchten sie – Aufkleber, die als offen zur Schau getragene Befindlichkeit des Insassen die Rückseiten vieler Autos zieren. Hier möchte der Vorausfahrende ein klares Statement für seine Mitmenschen setzen – seht her, so bin ich! Das dass den meisten Menschen in seiner Umwelt herzlich egal ist wird dabei bevorzugt verdrängt. Und so nerven sie uns in allen möglichen Varianten, die kleinen bunten Kleberchen.
Begründet wurde der Kult ursprünglich von audiophilen Autobastlern, die auf diesem Wege den Gleichgesinnten anzeigten, wes Fabriks Kind die in ihrem Auto verbaute Trommelfell-Säge war. PIONEER, KENWOOD oder ALPINE prangte da unübersehbar in der Heckscheibe. Das roch nach coolem Sound, kiloweise Watts und Wartezimmer beim Ohrenarzt.
Die in früheren Zeiten auf Kleinwagen gerne benutzten Namensaufkleber hingegen haben durchaus Karriere gemacht und es mittlerweile in die Führungsebenen von ausgewachsenen LKWs geschafft. Tröstlich, als letztes Glied im Stauende zu wissen wer da am Steuer der im Rückspiegel erschreckend schnell grösser werdenden 40 Tonnen Metall sitzt.
Auch nur noch selten anzutreffen sind die “Ich bremse auch für Tiere”-Kleberchen. Die Chance diese Botschaft zu lesen verdankt sich hauptsächlich der permanent zu niedrigen Geschwindigkeit des Beklebten. Absurd also die Aussage des Stickers, wird doch kein Tier genug Zeit auf einer Strasse verbringen um das Herannahen dieses Fahrzeugs noch zu erleben. Es sei denn, es nistet dort.
Schwer in Mode sind z.Zt. die gerne auch personalisierten Kinderaufkleber. Seht her, ich habe Kinder zustande gebracht und war sogar so kreativ, ihnen Namen zu geben. Wow! Zum Glück für die Erzeuger können Jacqueline-Cheyenne und Justin-Gustav noch nicht lesen, hassen werden sie ihre Eltern für diese Namen schon früh genug. So bleibt wenigstens der Unterhaltungswert für den Nachfahrenden. Ärgerlich wirds nur für den potentiellen späteren Käufer von Mamas und Papas Knuddelkarre. Er wird nicht umhin kommen, als erste Amtshandlung die unsäglichen Klebwerke vom Lack zu sandstrahlen um Spott und mitleidige Blicke aus der Umwelt zu vermeiden.
Bleibt abzuwarten, was die Zukunft auf Autorückseiten zaubern wird. Hoffentlich bleibt es unterhaltsam.
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