Diese Frage hat zunächst mehrere Dimensionen, wie zum Beispiel: „In welcher Zeit vor einem Aufprall?“, „Ab welcher gefahrenen Geschwindigkeit?“ oder generell „In welcher verkehrstechnischen Situation?“. Letztere Frage ist zumindest der Sinnhaftigkeit folgend leicht zu beantworten. So ist es sicherlich zweckmäßig, dass sich ein Airbag beim Zusteuern auf einen Brückenpfeiler entfaltet, aber nicht, wenn man beim Einkauf im Supermarkt gerade einmal aus Versehen mit dem Einkaufswagen an die Stoßstange gerät. 1967 begann Mercedes Benz mit der Entwicklung des Airbags. Front- und Seitenairbags gehören mittlerweile zur Standardausstattung neuerer Pkw, aber auch Kniearbags oder Kopfairbags setzen sich zunehmend durch. Ein Airbag gehört zu den Systemen der passiven Sicherheit, soll also Unfälle nicht vermeiden (aktive Sicherheit), sondern vielmehr dessen Folgen verringern. Bei einem Unfall wird er in typischerweise 10 bis 40 Millisekunden von einem Gasgenerator aufgeblasen, um den Aufprall der Insassen auf harte Fahrzeugteile wie das Lenkrad zu dämpfen.

Technisches Funktionsprinzip
Um die Frage nach der Situation fundiert zu klären ist es unerlässlich, sich ein Verständnis der Technik zu verschaffen. Der Auslöse-Vorgang ist hochkomplex: Nachdem das zentrale Airbagsteuergerät auf der Basis von Daten so genannter Crashsensoren (i. d. R. Daten der Beschleunigungssensoren und bei Seitenkollisionen auch der Drucksensoren) einen für die Insassen gefährlichen Unfall erkannt hat, erfolgt eine Airbagauslösung. Um ein unbeabsichtigtes Auslösen der Airbags zu vermeiden, gibt es eingebaute technische Sicherungen. So müssen mindestens zwei Crashsensoren gleichzeitig und voneinander unabhängig einen Aufprall melden.

Entscheidendes Timing
Das Volumen eines Fahrer-Airbags beträgt 60 Liter Luft. Wer je mit dem Mund eine Luftmatratze aufgeblasen hat, weiß, wie viel 60 Liter Luft sind. Nach ungefähr 20 Tausendstelsekunden muss er vollständig gefüllt sein, um Brust und Kopf des Fahrers aufzufangen. Ein Kompressor ist hier überfordert. Deshalb versuchten Forscher, Verbrennungsgase zum Aufblasen zu benutzen. Zunächst begann man mit militärischen Treibstoffen – Raketen-Sprit. Damit platzte aber oft mit dem Airbag auch das ganze Auto. Heute nutzt man anorganische Brennstoffe, wie Natriumacid, die sich auf den Punkt genau dosieren lassen. Sitzt ein Fahrer zu dicht vor dem Lenkrad oder kramt ein Beifahrer im Augenblick des Unfalls im Handschuhfach, dann kann es passieren, dass der Airbag seine schützende Wirkung nicht entfalten kann. Quarks&Co hat dies eindrucksvoll anhand eines Experiments mit einer Lichtschranke und Wassermelone bewiesen.

Auslösende Geschwindigkeit
Drin bleibt ein Airbag, wenn die Aufprallgeschwindigkeit weniger als 20 km/h beträgt oder der Anstoßwinkel mehr als etwa 45 Grad von der Fahrzeuglängsachse abweicht. In letzteren Fällen müssen Rettungskräfte äußerst vorsichtig sein, da es durch Kurzschlüsse in der evtl. beschädigten Elektrik zu verspäteten Auslösungen kommen kann. So empfiehlt es sich in bestimmten Situationen vorher die Batterie abzuklemmen und anschließend 30 Sekunden zu warten, denn dann ist das Airbagsystem stromlos und eine Bergung gefahrlos möglich.